Zeig mir dein Auto und ich sag dir, wer du bist. Des Deutschen Liebstes ist sein Auto – gehegt und gepflegt und am besten in Watte gepackt, damit es weder unschöne Kratzer noch irgendwelche unliebsamen Schrammen bekommt. Wurde doch einmal eine Beule hinein gefahren, so muss dies schnellstmöglich behoben werden. Und das sonst so wertgeschätzte Wochenende wird hingebungsvoll für die Pflege des Autos geopfert.
Kauft man nicht gerade ein Gebrauchtfahrzeug, bei dem man hinsichtlich Farbe meist das nimmt, was einem angeboten wird, so definiert die gewählte Farbe bei einem Neukauf den potenziellen Fahrer meist sehr genau. Schlichtes und unauffälliges cappuccino-beige für die eher sicherheitsbewussten Fahrer; ein knalliges Rot für den Draufgängertyp, der um jeden Preis im Straßenverkehr auffallen möchte und dies auch meist durch seine rasante Fahrweise tut.
Auch die Innendekoration des fahrbaren Untersatzes will so einiges über den Menschen verraten. Staubkörnchenfrei und die mit einem Pollenschutzgitter ausgerüstete Klimaanlage des fast klinisch reinen Vehikels würde manch einen Asthmatiker erfreuen.
Die andere Fahrzeughalter-Spezies scheint das Wageninnere wohl mit ihrer Wohnung oder schlimmer mit einem Müllbehälter zu verwechseln. Hier findet man auch noch im Sommer die geliebten Spiel-Spaß-Schokoladeneier, dank den vielen Knöllchen-Zetteln hat man immer etwas zu Schreiben dabei und an den schon etwas länger daliegenden Zeitungen hat schon das hiesige Stadtarchiv Interesse gezeigt.
Dann gibt es noch die Kuscheltierfront, die wohl signalisieren will – hier wird auf die Umwelt geachtet und Fahrgemeinschaften gebildet! Am hübschesten anzusehen sind dann aber doch die kleinen viereckigen Autos, die über die schnöden Autositzbezügen kuschelige Stoffe übergeworfen haben, um es nicht nur im Winter schön warm zu haben. Nicht fehlen dürfen die obligatorischen Tempur Kissen auf der Rückbank, die sich stimmig ins Gesamtkonzept einbinden. Frei nach dem Motto „My car is my castle!“
Und wer sich wirklich wie zu Hause fühlen möchte, der schickt am besten sein Auto zu einer der vielen ausgestrahlten Auto-Tuning-Sendungen ein und bekommt vielleicht neben einem praktischen Monitor auf der Unterbodenseite eine kleine Badewanne statt der so unpraktischen Rücksitzbank eingebaut.